- Die Gipsabguss-Galerie -

"Danach gibt es keine Kunst mehr!"

Virtuelles Museum



(I 130)

Dieses vielzitierte, vernichtende Urteil hat Plinius in seiner Naturalis Historia über die Zeit nach dem vierten Jahrhundert v. Chr. gefällt. Es erscheint verwunderlich, denn wohl niemand möchte dem heute viel bestaunten "Pergamonfries" in Berlin jeglichen Kunstwert abstreiten. Er stammt aus ebendieser so verschmähten Zeit des "Hellenismus".


(I 219)

Die Textstelle meint denn auch etwas ganz anderes:
Plinius hat sein Werk nämlich nicht im heutigen Sinn selbst geschrieben, sondern die einzelnen Kapitel aus bereits vorliegenden Büchern zusammengetragen. Diese stammten aber selbst aus dem Hellenismus und die eigene Zeit wurde darin üblicherweise nicht behandelt. Richtig gelesen lauten die Worte des Plinius folglich:
"Danach fehlen mir (geschriebene) Belege für Kunst."


(I 104)

Plinius hatte mit eigenen Augen ein Bildwerk aus dem Ende der hellenistischen Epoche gesehen. Es gefiel ihm so sehr, dass er sein Erlebnis entgegen den Gepflogenheiten in seinem Werk vermerkt hat: Der Laokoon, im goldenen Haus des Nero, der sei Kunst.
Die Statuengruppe ist heute eine der Attraktionen in den Vatikanischen Museen in Rom.
Sie hat nicht nur den Römer Plinius beeindruckt sondern auch viel später noch Bernini, dessen geniale Ergänzung das heutige Aussehen prägt:
"besser als das Original".
Die Laokoongruppe ist nicht das einzige Bildwerk mit Nachwirkung:
der - hellenistische - "Torso im Belvedere" wurde von Michelangelo derart bewundert, dass er sein eigenes Schaffen danach ausgerichtet hat.
Seiner Meinung nach sollte dieses Bruchstück auch nicht wie damals üblich wieder zu einer vollständigen Statue ergänzt werden; bis heute hat man sich an sein Urteil gehalten.


(I 104)


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Martin Boss
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aktualisiert am 3. April 2008 um 17.30 Uhr