- Die Gipsabguss-Galerie -

"Der strenge Stil"

Virtuelles Museum



(I 155, I 83, I 681)

"Indem darin trotz der in ihnen herrschenden größeren Anmuth und Zierlichkeit noch eine große Strenge, ja Härte der Zeichnung unverkennbar ist.
Es finden freilich unter diesen Werken noch mannigfaltigere Abstufungen vom Strengeren zum Mildern statt, ..., und das liegt in der Natur der allmählig sich immer freier entwickelnden Kunst."
Gustav Kramer,
Über den Styl und die Herkunft der bemahlten Griechischen Thongefäße, Berlin 1837, 101.


(I 878)

Eigentlich nicht für Skulptur, sondern zur Bestimmung der Vasenbilder attisch rotfiguriger Keramik erdacht, ist der "strenge Stil" eine Begriffsprägung der deutschen Archäologie, in der sich die in der deutschen Klassik übliche Sichtweise der Menschheitsgeschichte spiegelt:

"Denn wie die Jahrhunderte sich aus dem Ernsten in das Gefällige bilden, so bilden sie den Menschen mit, ja sie erzeugen ihn so."
Johann Wolfgang von Goethe,
Italienische Reise, Paestum, den 23. März 1787


(I 155, I 107)

Besonderes Kennzeichen von Figuren des "strengen Stiles", sowohl in der Freiplastik wie in der Bauplastik: schwere, runde Gesichtsformen, in die die einzelnen Formen wie die Augäpfel anatomisch richtiger tief eingesenkt sind; gegenüber archaischen Figuren wirken sie deshalb auch in ihrem Ausdruck scheinbar "strenger".

Heute wird der Begriff des "strengen Stiles" auf Bildwerke der Zeit nach der Wende zum 5. Jahrhundert v. Chr. angewendet, um deren großflächige Körperformen, ihre schweren Gesichtszüge und die spärlichen, aber wuchtigen Faltenwürfe zu beschreiben. Diese Phase geht der eigentlichen "Klassik" unmittelbar voraus.
Es ist die Kunst während und kurz nach der Zerstörung Athens durch die Perser. Und es ist (auch) das Menschenbild der noch jungen attischen Demokratie. Bei so viel symbolträchtiger Beziehung stört heute keinen, dass der Erfinder des Begriffes damit eigentlich die Kunst der letzten Jahrzehnte des 6. Jahrhunderts und damit (auch) die Zeit der Tyrannei in Athen beschrieb.


(I 693)

Das "Flaggschiff" der griechischen Architektur und der Bauplastik: der "dorische Tempel".



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Martin Boss
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aktualisiert am 2. April 2008 um 20.30 Uhr