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Der Begriff der "Klassik"

Virtuelles Museum



(I 7)

Kaum ein anderes aus dem lateinischen entlehntes Wort wird heute so häufig und mit derart unterschiedlicher Bedeutung eingesetzt: so gibt es "klassische Musik", "Klassiker der Weltliteratur", es gibt sogar die "klassische Moderne" und schlussendlich auch das Institut für "Klassische Archäologie". Ursprünglich sind nach der römischen Steuerschätzung "Klassiker" all diejenigen mit dem "Spitzensteuersatz". Schon im 2. Jahrhundert n. Chr. werden aber auch Dichter so bezeichnet; "klassisch" meint jetzt einfach "ausgezeichnet" oder "vorbildlich".
Weil allgemein anerkannte - also klassische? - Vorbilder zumeist auch längst verstorben sind, steht "klassisch" im Gegensatz zu "modern"; heute sind "klassische Sprachen" "tote" Sprachen und Klassiker mitunter "langweilig". Im Gegensatz zu Tanzmusik meint die "Klassische" ernste (?) Musik.


(I 26)

Innerhalb der "Klassischen Altertumswissenschaften", die sich allgemein um die Kulturgeschichte Griechenlands und Roms bemühen, meinte "Klassik" ursprünglich die Zeit des 5. Und 4. Jahrhundert v. Chr. etwa von den Perserkriegen bis zu Alexander dem Großen. In der Forschung hat sich allmählich in den 150 Jahren ihres bestehens aber eine eingeschränkte Lesart des Begriffes eingebürgert: "Klassik" oder auch "Hochklassik" ist die Zeit um und kurz nach dem Bau des Parthenon in Athen, also der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts v. Chr.


(I 74)

Auf der Akropolis in Athen entstehen in einem gewaltigen Bauprogramm innerhalb weniger Jahrzehnte ab 447 bis gegen 406 alle Gebäude, die wohl heute noch als Inbegriff klassisch griechischer Baukunst gelten - und entsprechend besucht werden.

Während dieser nicht einmal 200 Jahre überschlagen sich die Ereignisse: in Athen entsteht die Demokratie; Aischylos, Sophokles und Eurypides, aber auch der Komödiendichter Aristophanes und Menander schreiben ihre Theaterstücke, Sokrates und Platon, Aristoteles, Epikur und Diogenes leben und denken zu dieser Zeit.


(I 3)

Ohne ihr Wirken wäre unsere Kultur heute wohl kaum denkbar. Während der "Renaissance", der Begriff meint die Wiedergeburt eben dieser Antike, wirken Raphael und Michelangelo, Petrarca, Dante und in England Shakespeare. Zur Zeit des "Klassizismus" leben in Deutschland Beethoven, Goethe und Schiller - heute alles Klassiker.


(I 36-39, I 881)

Die Mittelszene über dem Eingang zum Parthenon im Osten: Die Übergabe eines Peplos an Athena im Beisein der Götter; daneben abgebildet die Platte mit Aphrodite und Eros, heute in Paris.
Der steinerne marmorweiße Eindruck täuscht: der gesamte Fries war farbig gefasst. Der Anblick muss schon atemberaubend gewesen sein: mit dem Peplos für die Gottheit als leuchtendem roten Mittelpunkt, während rechts außen der jugendliche Eros als einzige nackte Figur weiß hervorstach, womöglich gerahmt durch gelbe (goldene) Flügel und hinterfangen durch den Sonnenschirm der Aphrodite,vielleicht gar in Pink oder Lila.


(I 22)

Nach dem Entwurf der Architekten und Ingenieure Iktinos und Kallikrates wurde der Parthenon als erstes und bei weitem größtes der Gebäude auf der Akropolis in nur 11 Jahren fertiggestellt. Die Ausstattung oblag Phidias, dem offenbar mehrere ausführende Werkshütten von Steinmetzen unterstanden.
Das in der Antike vielbestaunte Hauptwerk des Phidias war aber die monumentale Statue der Stadtgöttin Athena im Tempelinneren , aus "Gold und Elfenbein". Tatsächlich war die "Außenhaut" der Figur über einem Holzkern kunstvoll aus verschiedensten Materialien - darunter auch buntes Glas - zusammengefügt.
Diesselbe Technik hat Phidias auch bei der Kultstatue des Zeus in Olympia angewandt und die galt in der Antike als eines der sieben Weltwunder. Wohl auch zur Selbstdarstellung hat Athen offenbar keine Kosten und Mühen gescheut. Anschließende Unregelmäßigkeiten bei korrekten Abrechnung blieben auch der antiken Demokratie nicht erspart.


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Martin Boss
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aktualisiert am 2. April 2008 um 21.00 Uhr