- Die Gipsabguss-Galerie -

Original und Kopie

Virtuelles Museum



(I 687)

Die meisten freistehenden Statuen der griechischen Klassik sind nicht im Original erhalten. Als Götzenbild zerschlagen, ließen sich die Trümmer von Marmorfiguren zu Kalk verbrennen; wieder eingeschmolzen, ergaben Standbilder aus Bronze eine brauchbare Kirchenglocke - oder eine Kanone. Glücklicherweise ließen die Römer von Bildwerken, die als vorbildlich galten, Kopien anfertigen, die dann zur Ausstattung öffentlicher Bauten dienten oder auch in einem privaten Garten aufgestellt wurden.


(I 59)

Nur ausnahmsweise wurden griechische Reliefs in römischer Kopie übernommen.

Beim Erstellen der Kopie wurden Bronzestatuen fast ausnahmslos in Marmor "übersetzt".
Dadurch ist ihr Eindruck stark verändert, zum einen wegen der massiven Stützen, die das wesentlich höhere Gewicht des Steins erzwingt, zum anderen vor allem wegen ihrer Farbe.
Da es galt, ein möglichst naturnahes Bild eines Menschen zu erwecken, waren Bronzestatuen mit verschiedenen farbigen Materialien eingelegt: mit Lippen aus rotem Kupfer, silbernen Zähnen und Augen aus blauem und weißem Glas. Diese Farbwirkung ließ sich natürlich in Stein schlecht nachahmen. Marmorfiguren, im griechischen Original wie in römischer Kopie, wurden bunt bemalt. Weißer Stein war nur sichtbar, wenn die helle Haut einer Frau wiedergegeben werden sollte, denn ein blasser Teint galt in der Antike als schön.
Bei der Wiederentdeckung der römischen Kopien ab der Renaissance war die Farbe zumeist verschwunden oder wurde bei der Reinigung entfernt. Bis in jüngste Zeit glaubte man deshalb, die strahlend weiße Erscheinung der Figuren sei in der Antike beabsichtigt gewesen: rein weiße Gipsabgüsse wiederum galten im 19. Jahrhundert den erhalten römischen Marmorkopien sogar als überlegen, da keine Maserung und kein dunkler Fleck den Eindruck störe.



(I 149 und Restitution des Bronzeorignals durch G. E. Rizzo)


Heute wohl die am meisten ge- und missbrauchte Figur der Antike: der Diskuswerfer des Myron. (hierzu lohnt sich ein kurzer Blick in die Sonderausstellung "Das Klassische Profil")

(I 149 und das Vorbild im Thermenmuseum in Rom)

Trotz der Bemalung in Bronze sind die beiden Messpunkte im Abguss belassen worden, die der römische Kopist zum Ansetzen seines Zirkels benötigt hat und die aus heute unerfindlichen Gründen nicht nach Abschluss der Arbeiten von der Marmorstatue abgeschliffen worden.


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Martin Boss
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aktualisiert am 2. April 2008 um 21.15 Uhr